„Stadtteilentwicklung und Architektur am Beispiel der HafenCity Hamburg und von Örestad, Kopenhagen”
Moderation:
Hape Schneider, HafenCity Hamburg GmbH
Heiko Weißbach
HafenCity Hamburg
Mit der HafenCity Hamburg, die seit dem Jahr 2000 über einen Zeitraum von 25 Jahren entstehen soll, wächst die Hamburger Innenstadt um 40 Prozent, und es kommen 10 Kilometer neue Wasserlinie hinzu. Hier sollen künftig 12.000 Menschen leben und mehr als 40.000 arbeiten. Neue Kultureinrichtungen wie die Elbphilharmonie, das Maritime Museum und das Science Center sollen jährlich 2,5 Millionen Besucher anziehen. Im Konsumbereich stehen insgesamt 50.000 Quadratmeter Verkaufsfläche zur Verfügung, die von jährlich 14 Millionen Besuchern frequentiert werden sollen.
In der HafenCity entstehen gemischt genutzte Gebäude, deren Erdgeschoss in der Regel öffentlich genutzt wird (Gastronomie, Geschäfte etc.). Der auf dem Entwurf von Kees Christiaanse basierende Masterplan sieht eine Verknüpfung des Gebietes mit der Weststadt und eine Gliederung in einzelne Quartiere mit einer eigenen Identität vor. Entwickelt werden diese Quartiere Schritt für Schritt. Die Bebauungspläne werden erst dann erstellt, wenn der städtebauliche Wettbewerb für ein Quartier erfolgt ist.
Die HafenCity GmbH Hamburg ist eine hundertprozentige Tochter der Freien und Hansestadt Hamburg. Ihre Aufgaben:
- Planung von Aktivitäten und Aufbau der Infrastruktur
- Entwicklungsplanung
- Master Developer
- Akquise von Projektentwicklern, Investoren und Grundstückskäufern
- Organisation von Kommunikation und Marketing
Die GmbH wirkt als Grundstückeigentümer und finanziert die Aktivitäten aus den Grundstückverkäufen. Verkauft werden die Grundstücke erst dann, wenn der Investor einen genehmigten Bauantrag vorweisen kann. Die Qualitätssicherung ist durch Architekturwettbewerbe gegeben. Vorgeschrieben ist ein nachhaltiges Bauen mit umweltschonenden Baustoffen und einem nachhaltigen Gebäudebetrieb.
Auf sozialer Ebene sind in der HafenCity bereits etliche Netzwerke entstanden. Dazu gehören eine neue Grundschule, ein Hotel mit 40 Arbeitsplätzen für Menschen mit Behinderungen und das Ökumenische Forum, in dem sich 17 Kirchen zusammengeschlossen haben.
Örestad (Kopenhagen)
Örestad auf der Insel Amager ist der jüngste Stadtteil der dänischen Hauptstadt Kopenhagen. Er ist als Verbindung zwischen der Innenstadt und dem Flughafen gedacht. Durch eine Eisenbahnstrecke und die Europastraße 20 besteht zudem eine schnelle Verbindung nach Schweden. Auf einer Fläche von 310 Hektar leben heute 20.000 Menschen, 80.000 arbeiten dort. Der Entwurf des finnischen Architektenbüros Arrki aus dem Jahr 1994 sieht eine Mischung aus Wohnen und Arbeiten vor. Das Element Wasser soll sich durch das gesamte Gebiet ziehen.
Da jedoch die Investoren auf sich warten ließen, war der dänische Staat gezwungen, eigene Institutionen in Örestad anzusiedeln. So wurden hier die Gebäude der dänischen Rundfunkanstalt mit einem großen Konzertsaal errichtet. Dennoch bleiben große Teile des neuen Stadtteils lange unbebaut. Auch das dort entstandene Einkaufszentrum, das mit einer Verkaufsfläche von 70.000 Quadratmetern das größte Dänemarks ist, ist noch nicht ins Stadtgebiet eingebunden. Anders als die Innenstadt Kopenhagens mit ihren vielen öffentlichen Plätzen und verkehrsberuhigten Bereichen ist Örestad noch kein Treffpunkt für die Menschen geworden. Die langsame Realisierung des Projektes und die derzeitige Finanzkrise haben Folgen. So sind die Wohnungspreise in Örestad bereits um 30 Prozent gesunken. Hier zeigt sich, dass eine gute Architektur nicht ausreicht, um eine gesunde, belebte Stadt zu gewährleisten.
Im Workshop wurde diskutiert, welche Leitziele der beiden Projekte sich auf Bielefeld übertragen lassen. Dabei wurde es als sehr wichtig erachtet, öffentliche Interessen in private Entwicklungsprojekte zu integrieren und Qualitätsanforderungen an die Projekte zu definieren. Eine Übertragbarkeit der Organisationsstrukturen auf Bielefelder Vorhaben erschien den Workshopteilnehmern z. B. beim Bahnhofsviertel, dem Stadtumbau West und dem interkommunalen Gewerbegebiet sinnvoll.
Workshop 5
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