Startseite Buchtipps Lexikon Impressum Kontakt

Suche

 




Ruhr 2010 – vom Industriestandort zur Kulturmetropole

 

Fritz Pleitgen, Vorsitzender der Geschäftsführung der Ruhr 2010 GmbH, ehemaliger WDR-Intendant und ARD-Vorsitzender

 

Bei der Bewerbung als Kulturhauptstadt Europas 2010 hat sich das Ruhrgebiet gegen 16 Konkurrenten durchgesetzt. Die Region überzeugte mit dem besten Konzept. Es steht unter dem Motto „Wandel durch Kultur, Kultur durch Wandel“, eine Aussage des Kunstmäzens und Gründer des Folkwang-Museums Karl Ernst Osthaus (1874-1921). Tatsächlich steht das Ruhrgebiet wie kein anderer Ballungsraum in Europa für den Wandel. Nach der Zeit der Schwerindustrie und der Krise von Kohle und Stahl lebt das Ruhrgebiet als Dienstleistungsregion wieder auf. Es steht für eine vitale Wissenschaftslandschaft und ist vor allem auch ein Zentrum der Kultur: Hier gibt es 120 Theater, 200 Museen und 250 Festivals.

 

Mit 5,3 Millionen Einwohnern ist das Ruhrgebiet der drittgrößte Ballungsraum in Europa hinter London und Paris. Es besteht aus vier Landkreisen mit insgesamt 53 Städten. Bei der Frage, welche Stadt der Bannerträger des Projektes „Ruhr 2010“ sein sollte, stellten sich alle Städte hinter Essen. „Statt der bisher herrschenden Rivalität der Städte zog der Geist der Kooperation ein“, so Fritz Pleitgen.

 

Ziel von „Ruhr 2010“ ist es, das alte Ruhrgebiet zur modernen Metropole Ruhr zu entwickeln. Aufgrund der heterogenen Struktur der Region wurde „Ruhr 2010“ nach vier programmatischen Punkten aufgeteilt: Es sind die Stadt der Künste, die Stadt der Kulturen, die Stadt der Möglichkeiten und die Stadt der Kreativen. Geografisch erfolgte die Aufteilung in fünf Areale, die jeweils ein Besucherzentrum besitzen. Diese befinden sich in Duisburg, Oberhausen, Essen, Bochum und Dortmund. Durch „Ruhr 2010“ soll die Region einen Sprung nach vorn machen. Gelungen ist dies in den Vorjahren in den europäischen Kulturhauptstädten Glasgow, Liverpool und Lille.

 

Für „Ruhr 2010“ ist mit den etablierten Kultureinrichtungen ein attraktives Programm zusammengestellt worden. Die meisten Veranstaltungen finden nicht im Saal, sondern draußen statt. Auch die Eröffnung am 9. Januar war im Freien: Sie fand trotz des Schneesturms Daisy auf der Zeche Zollverein, Weltkulturerbe und Wahrzeichen des Ruhrgebietes, statt.

 

„Ruhr 2010“ soll sich nicht an die Elite wenden, sondern die Eigenart des Ruhrgebietes darstellen. Besonders wichtig ist es den Veranstaltern, alle Städte und Menschen der Region einzubinden und mitzunehmen. Aus diesem Grund ist jede Stadt eine Woche lang lokale Kulturhauptstadt Europas. Jede Stadt gibt für ihre Projekte 2 Euro pro Bürger aus. Es sind überwiegend Projekte, bei denen mehrere Städte zusammenarbeiten. Fritz Pleitgen: „Die Metropole Ruhr soll mit Hilfe der Kultur zusammenwachsen.“ So tauschen 20 Kunstmuseen in diesem Jahr ihre Sammlungen aus und haben einen gemeinsamen Katalog erstellt. Sechs Theater interpretieren die Odyssee auf ihre Weise, während die Besucher von einem Theater zum anderen fahren können. Das Werk des Komponisten Hans Werner Henze wird von fast 40 Musikensembles aufgeführt. An 400 großen Schachtanlagen über das ganze Ruhrgebiet verteilt werden 80 Meter hohe Fesselballons aufgestellt, die dann aus der Luft fotografiert werden.

 

„Ruhr 2010“ umfasst 300 Projekte mit rund 500 Veranstaltungen, zu denen 5 Millionen Besucher erwartet werden. Der Etat beträgt 60 Millionen Euro für einen Zeitraum von vier Jahren. Angestoßen werden etliche Projekte, die auch nach 2010 bestehen bleiben. Dazu gehören u.a. das neue Ruhrmuseum in Essen, der Neubau des Museums Folkwang, die Kunstinsel zwischen der Emscher und dem Rhein-Herne-Kanal und das Zentrum für Kunst und Kreativität in dem ehemaligen Gebäude der Union-Brauerei in Dortmund.

 

Fritz Pleitgens Fazit: „Mit Kultur kann man enorm viel bewegen und für ein erstklassiges Image sorgen. Das Engagement des Ruhrgebietes, sich als Kulturhauptstadt Europas zu bewerben, hat sich schon jetzt gelohnt. Das Ruhrgebiet erfährt zurzeit eine Aufmerksamkeit wie nie zuvor.“