Dr. Franz Alt
Autor, Journalist, TV-Redakteur
Zu einer solaren Revolution rief Dr. Franz Alt die Teilnehmer des Kongresses in seinem Abschlussvortrag auf. Die Bankenkrise sei schnell zu lösen, doch: „Wo ist der Rettungsplan für die Erde?“ Gäbe es in der ARD eine ökologisch realistische „Tagesschau“, so müssten nach den Worten des Autors und Journalisten, der 20 Jahre lang Moderator des Polit-Magazins „Report“ war, darin folgende Nachrichten vermeldet werden:
1. An nur einem Tag rotten wir rund 150 Tier- und Pflanzenarten aus. Damit sind wir die erste Generation, die ihre eigenen Lebensgrundlagen radikal zerstört.
2. An nur einem Tag verbrennen wir so viel Kohle, Gas und Öl, wie die Natur in 500.000 Tagen angesammelt hat.
3. An nur einem Tag entstehen zusätzlich 30.000 Hektar Wüste und gehen durch Erosion 86 Tonnen fruchtbarer Boden verloren. Gleichzeitig wächst die Welt-bevölkerung täglich um eine Viertel Million Menschen.
4. An nur einem Tag werden 100 Millionen Tonnen Treibhausgase in die Luft geblasen.
„Die Menschheit hat nur noch eine Gnadenfrist von 15 Jahren, um die Energieversorgung zu 100 Prozent umzustellen“, so Alt. Die Lösung des Energieproblems stehe am Himmel, denn: Die Sonne liefert täglich 15.000-mal mehr Energie, als alle Menschen benötigen. Sein Fazit: Es gibt eigentlich kein Energieproblem, sondern nur falsches Energieverhalten. Denn die wichtige Energiequelle Sonne werde nicht angezapft. „Jährlich zahlt Deutschland 130 Milliarden Euro für Energie aus dem Ausland, doch die Sonne, die keine Rechnung schickt, nutzen wir nicht“, kritisierte er. Dasselbe gelte auch für Bioenergie, Erdwärme und Wind.
Die globale Erwärmung von 0,8 Grad seit Beginn des Industriezeitalters klinge zwar harmlos, habe jedoch verheerende Folgen. Schon jetzt seien in Indien 15 Millionen und in China 20 Millionen Menschen auf der Flucht vor Wirbelstürmen. Die UNO geht davon aus, dass im Jahr 2020 rund 200 Millionen Umweltflüchtige über die Erde irren. Wenn weiterhin sämtliche Energiequellen, die wir aus dem Boden holen, verbrannt werden, muss mit einer globalen Erwärmung von 8 Grad gerechnet werden. Dr. Franz Alt: „Wir sind dabei, aus der Erde ein Treibhaus zu machen.“
40 Prozent aller Energie wird in Gebäuden verbraucht. Da 90 Prozent aller Häuser Altbauten sind, ist ihre energetische Sanierung von großer Bedeutung. Alt stellte das Energieszenario vor, das die Europäische Kommission für das Jahr 2050 entworfen hat. Bis dahin sollten 40 Prozent der Energie aus Solarkraft, 30 Prozent aus Biomasse, 15 Prozent aus Windkraft, 10 Prozent aus Wasserkraft und nur noch 5 Prozent aus Erdöl gewonnen werden. Der 100-prozentige Umstieg auf erneuerbare Energien sei erforderlich.
Was die Solararchitektur betrifft, so übte er Kritik an vielen Architekten: „Die deutschen Architekten müssen lernen, wo Süden ist. Wenn man einen Neubau nach Süden hin offen plant und nach Norden dicht macht, kann die Hälfte der Energie eingespart werden.“ Und auch im Altbau seien erhebliche Einsparungen möglich. So sind in Karlsruhe 64 Sozialwohnungen aus den 60er Jahren energetisch saniert worden. Sie hatten vor der Sanierung einen Heizölverbrauch von 25 Litern pro Quadratmeter und Jahr, jetzt sind es lediglich 5 Liter. Die Wohnungen sind zu 100 Prozent CO2-frei, und die Energiekosten haben sich halbiert.
Das Umsteigen auf erneuerbare Energien hat nach den Worten Alts erheblichen Einfluss auf den Arbeitsmarkt. Wenn in den nächsten fünf Jahren jeder zweite deutsche Altbau saniert wird, könnten eine halbe Million zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen werden. Durch den 100-prozentigen Umstieg auf erneuerbare Energien würden in ganz Europa 5 Millionen zusätzliche Arbeitsplätze entstehen. „Alle Menschen auf dieser Erde könnten ein gutes Leben führen, wenn wir den Reichtum der Natur nutzen und nicht gegen die Natur arbeiten würden“, betonte Alt. Selbst Ölkonzerne hätten dies erkannt: So baue „Shell“ inzwischen Solarfabriken, betreibe Windräder und sei einer der weltweit größten Waldbesitzer.
Der Journalist und Autor nannte etliche Beispiele, wie erneuerbare Energien sinnvoll genutzt werden:
- Solarplushäuser in Freiburg benötigen nur 1 Liter Heizöl pro Quadratmeter und Jahr und erzeugen dreimal so viel Strom, wie sie selbst benötigen.
- 700 Kirchen bundesweit haben Solaranlagen installiert.
- In Schleswig-Holstein versorgen sich rund 500.000 Ostfriesen zu 96 Prozent mit erneuerbaren Energien. 2020 will Schleswig-Holstein mehr Ökostrom pro-duzieren, als das Bundesland benötigt.
- Das neue Rathaus in London erzeugt 70 Prozent seines Stromverbrauchs über die Sonne.
- 20.000 Chinesen beziehen ihren Strom von dem neuen Olympia-Bahnhof in Peking, der mit Solartechnik ausgestattet ist.
Zur derzeitigen Situation in Deutschland: 21.000 Windräder produzieren 8 Prozent des Stroms. Bei der Windkraft ist Deutschland noch Weltmeister, wird jedoch bald von den USA und China überholt. Der deutsche Photovoltaikmarkt wird sich bis 2020 verzwanzigfachen und ist damit der am stärksten wachsende Industriezweig. Bei der Solarthermie beträgt das jährliche Wachstum 6 bis 8 Prozent, bei den Holz-Pellets 20 bis 30 Prozent. „Pellets sind 50 Prozent billiger als Heizöl und 60 Prozent billiger als Gas. Es gibt also keine Ausrede mehr“, so Alt.
Der jährliche Energieverbrauch weltweit könnte nach den Worten Alts zur Hälfte durch Wasserkraft gedeckt werden. Bioenergie erzeuge 15-mal mehr, Wellen- und Meeresenergie 76-mal mehr, Windkraft 308-mal mehr, Erdwärme 600-mal mehr und die Sonne 15.000-mal mehr Energie als benötigt. Dr. Franz Alt: „Es gibt keine Energieprobleme auf dieser Erde. Wir haben Energie in Hülle und Fülle, müssen sie aber mobilisieren. Das Hauptproblem ist nicht die fehlende Technik, sondern die Menschen. Sie wollen das Kostenlose nicht haben, jammern aber über hohe Energiepreise.“
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