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Grußwort des Bürgermeisters der Stadt Bielefeld, Horst Grube, zur Kongress-Eröffnung

Herzlich willkommen,

meine sehr geehrten Damen und Herren.

 

zum 4. Kongress „Kooperative Stadtentwicklung“, bei dem wir in diesem Jahr mit der Weiterentwicklung des vorhandenen Wohnungsbestandes ein wichtiges Thema der Stadtentwicklung aufgreifen wollen.

 

Hier sollen wichtige Impulse gegeben und neue Ideen ausgetauscht werden. Es wurden deshalb wieder namhafte Referenten gebeten, uns ihre Sichtweisen und Einschätzungen zu den Anforderungen des Wohnungsbestandes und der Wohnquartiere in den nächsten Jahrzehnten aus ganz verschiedenen Blickwinkeln vorzustellen und zu erläutern.

 

Auch die morgen stattfindenden Workshops greifen eine breite Palette von Themen und zukunftsweisenden Aspekten für die Wohnungsbestände auf, die von fachkundigen und engagierten Moderatoren begleitet werden.

 

Meine Damen und Herren, nachdem der Wohnungsneubau in unseren Städten aufgrund verschiedener Faktoren immer rückläufiger ist, rückt nahezu zwangsläufig der Wohnungsbestand immer stärker in den Blickpunkt der Akteure.

 

Dabei werden uns künftig ganz andere Herausforderungen – als aus der Vergangenheit gewohnt – begegnen: Die Qualität des Wohnungsbestandes in funktionierenden Wohnquartieren wird der entscheidende Faktor in der Stadtentwicklung sein.

 

Lassen Sie mich die Herausforderungen der Zukunft an die Wohnungsbestände mit den drei folgenden Begriffen zusammenfassen:

  • Bevölkerungsentwicklung,
  • Klimaschutz und Energiekosten
  • und Integration unterschiedlichster Bevölkerungsgruppen.

 

Zu den Veränderungen aufgrund der Bevölkerungsentwicklung lassen sich da zum Beispiel folgende Aspekte nennen:

  • Höhere Lebenserwartung und damit veränderte Wohnbedürfnisse und -ansprüche,
  • Veränderungen des traditionellen Familienbildes und damit andere Anforderungen an Wohnräume und Gebäude,
  • Nachfrageveränderungen wegen des Bevölkerungsrückganges oder aufgrund von Einkommensveränderungen im positiven wie im negativen Sinne und damit zugleich auch Veränderungen auf der Angebotsseite.

 

Diese Aufzählung, meine Damen und Herren, ließe sich beliebig fortsetzen. Gemeinsam führen jedoch alle diese Aspekte zwangsläufig zu der Erkenntnis, dass das Wohnungsangebot der Zukunft anders sein wird. Darauf müssen sich die Wohnungsunternehmen, die übrigen Vermieter und auch die Kommunen im Rahmen der Stadtentwicklung einstellen.

 

Hierzu gibt es in Bielefeld schon einige interessante und zukunftweisende Projekte, die sicherlich auch morgen in den Workshops zur Debatte stehen werden.

 

Aber auch die zweite Herausforderung - der Klimaschutz und die steigenden Energiekosten - bekommen eine immer größere Bedeutung.

 

Führt man sich nämlich vor Augen, dass 40% Prozent der gesamten globalen Energie für Gebäude – vom Wolkenkratzer bis zur kleinsten Mietwohnung – verbraucht werden, dann ist der umbaute Raum der „Klimakiller“ Nr. 1, noch vor der weltweiten Automobilflotte.

 

Schätzungen zur Folge könnte der durch Häuser verursachte CO2- Ausstoß bis 2030 um 40% gesenkt werden - allein durch energiesparsamere Gebäude.

 

Weiterhin könnten eine geschickte Architektur und technische Kniffe Gebäude zu „Kraftwerken der Zukunft“ machen. Sie könnten nicht nur energetisch völlig autark sein, sondern auch mehr Energie erzeugen, als sie selbst verbrauchen.

 

Hinzu kommt, dass bei einem Gebäudebestand von 90% älterer Häuser in Deutschland, von denen erfahrungsgemäß jährlich 2 bis 3 % modernisiert und energetisch saniert werden, bei richtiger Weichenstellung bis 2050 der gesamte Wohnungsbestand durchsaniert sein könnte.

 

Auch die Stadt Bielefeld, meine Damen und Herren, ist sich natürlich der Bedeutung des Klimaschutzes bewusst. So hat der Rat der Stadt im vergangenen Jahr in einem Leitantrag für den kommunalen Klimaschutz u. a. Maßnahmen zur Verbesserung der Energieeffizienz städtischer Gebäude und darüber hinaus ein kommunales Handlungsprogramm zur Reduzierung der CO2–Emissionen beschlossen.

 

Übrigens auch mit dem Ziel, den Energieverbrauch in privaten Haushalten deutlich zu senken.

 

In diesem Zusammenhang wurde die Bielefelder Initiative für Zukunftsenergien, kurz BIZE, gegründet. Sie soll systematisch ein Netzwerk zur Ausschöpfung aller Potentiale für den Klimaschutz entwickeln.

 

Ein Ziel dieser Initiative mit zahlreichen Kooperationspartnern, wie Energieversorger, Kreishandwerkerschaft, Architekten, Energieberater, Banken und Verbänden, ist die Verdoppelung der Modernisierungsrate von Wohnraum.

 

Ein ebenso aktueller wie spannender Themenbereich also, der ebenfalls diesem Kongress Impulse geben soll.

 

Gleiches gilt für die dritte Herausforderung, die Integration. Das Integrieren unterschiedlichster Bevölkerungsgruppen in unsere Gesellschaft ist ebenfalls eine wichtige Zukunftsaufgabe, die größtenteils in den Wohnquartieren und in dem unmittelbaren Wohnumfeld stattfindet.

 

So leben in Deutschland leben rund 15,3 Millionen Migranten, davon rund 4,3 Millionen in Nordrhein-Westfalen. Gerade auch in Ostwestfalen-Lippe haben sich überdurchschnittlich viele Migranten niedergelassen, die über einen sehr unterschiedlichen Integrationsstand verfügen.

 

Beispielsweise hat jedes 2. Kind, das in Bielefeld geboren wird, einen Migrationshintergrund. Eine andere Tatsache ist, dass die zugewanderten Bielefelderinnen und Bielefelder aus 120 Nationen stammen und z. T. schon in der 4. Generation hier leben.

 

Welche Vorstellungen diese Migranten vom Leben in unserer Stadt haben, an welchen Werten sie sich orientieren können und wie erfolgreich letztlich ihre Integration verläuft – das hängt nicht zuletzt entscheidend auch von ihren Wohnmöglichkeiten und dem Wohnumfeld ab.

 

Hier wird es also künftig noch stärker darauf ankommen, die Integrationsleistungen durch bauliche und soziale Maßnahmen zu unterstützen.

 

Um diesem komplexen Thema gerecht zu werden, entwickeln wir gerade ein Integrationskonzept für Bielefeld. Die Stadt Bielefeld sieht sich damit auf einem guten Weg. Dabei ist klar, dass dies eine Kommune nicht allein schaffen kann.

 

Sie benötigt dazu Kooperationspartner in der Wohnungswirtschaft, bei den sozialen Trägern und natürlich in der ehrenamtlichen Arbeit vieler Bürgerinnen und Bürger und Vereine.

 

Meine Damen und Herren, ich denke, das Entscheidende bei allen Herausforderungen letztlich ist, dass wir uns ihnen mit allen Akteuren in partnerschaftlicher Zusammenarbeit stellen und mit den örtlichen Kooperationspartnern an einem Strang ziehen.

 

Auch dieser Kongress ist ein gutes Beispiel für die Zusammenarbeit zwischen der Stadt Bielefeld, der Bielefelder Gemeinnützigen Wohnungsgesellschaft und den anderen Wohnungsunternehmen, die sich in der Wohnungswirtschaft OWL zusammengeschlossen haben.

 

Ich würde mich also freuen, wenn Sie von diesem Kongress für die Arbeit in Ihren Heimatstädten und -gemeinden neue Anregungen und Ideen für die dortigen Wohnungsbestände mit nach Hause nehmen könnten.

 

Damit wünsche ich Ihnen jetzt einen angenehmen Aufenthalt in Bielefeld sowie dem 4. Kongress “Kooperative Stadtentwicklung“ in unserer Stadt einen guten und erfolgreichen Verlauf. Vielen Dank.